Energiegewinnung und Stoffwechsel
Beim Inline- Skating wird vom Körper eine Menge Energie benötigt und umgesetzt. Diese wird hauptsächlich aus den drei großen Nährstoffgruppen, den Fetten, Kohlenhydraten und Eiweissen gewonnen. Fette stehen in Form von freien Fettsäuren (FFS) oder als Speicherfett im Bereich des Unterhautgewebes zur Verfügung, während Kohlenhydrate die „Treibstoffe“ Blutglukose bzw. Speicherglykogen zur Einlagerung in Muskelzellen und Leber liefern. Eiweisse dienen hauptsächlich dem Strukturaufbau und der Erhaltung der körpereigenen Zellen und liegen nur in ganz geringen Mengen als freie Aminosäuren im Blut vor.
Eins ist allen drei genannten Nährstoffen gemeinsam: Sie liefern nicht direkt Energie, sondern dienen der Herstellung des eigentlichen Energieträgers des Körpers. Dieser Stoff, Adenosintriphosphat, kurz ATP, genannt, ist u.a. dafür verantwortlich, dass die Muskulatur arbeiten kann. ATP liefert Energie durch seine Zerlegung und muss anschliessend aus Einzelbausteinen wieder zusammengesetzt werden. Wie und aus welchen Nährstoffen dieser universelle Energieträger im Laufe einer sportlichen Betätigung wiederhergestellt wird, hängt im wesentlichen von drei Dingen ab:
1. Von der Dauer der Belastung,
2. von der Intensität der Belastung und
3. vom Trainingszustand.
Man unterscheidet in diesem Zusammenhang drei Wege der Energiebereitstellung, wie in der Grafik dargestellt.
Machst du einen ganz kurzen maximalen Sprint mit Skates über wenige Meter oder einen maximalen Sprung über ein Hindernis, so wird die Energie aus dem schon in der Muskulatur vorhandenen ATP bzw. einem verwandten Stoff, dem Kreatinphosphat ( KP ), verwendet. Für diese Art der Muskelarbeit benötigt man keinen Sauerstoff und es wird auch kein "Stoffwechselabfall" in den Muskeln zurückgelassen. Diese Form der Energiegewinnung geht sehr schnell, funktioniert jedoch nur über einen Zeitraum von wenigen Sekunden.
Wird eine ähnlich hohe Belastung über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten, das heißt, skatest du beispielsweise über einige Kilometer sehr schnell, so wird die benötigte Energie hauptsächlich aus Blutglukose bzw. Muskel- und Leberglykogen gewonnen. Dieser „Treibstoff“genügt für etwa 60-90 Minuten intensiver Belastung (ca. 1200 - 2000 kcal). Da viel Energie in sehr kurzer Zeit benötigt wird und eine Energiegewinnung unter Sauerstoffeinsatz vergleichsweise länger dauert, geschieht dies ohne Sauerstoff (anaerob). Als "Stoffwechselabfall" bleibt das Zwischenprodukt Laktat zurück, welches sich in der Muskulatur bzw. im Blut anreichert und nur langsam abtransportiert wird. Dieses Zwischenprodukt charakterisiert die Stoffwechsellage und zeigt an, welcher „Treibstoff“ zur Energiegewinnung herangezogen wird. Laktatwerte in Ruhe liegen im Regelfall zwischen 0,5 und 2 mmol/l und können während einer Belastung weit über 10mmol/l ansteigen.
Der dritte Weg, um Energie zu gewinnen ist der langsamste, aber auch der für Langzeitbelastungen effektivste, nämlich der unter ausschließlichem Einsatz von Sauerstoff (aerob). Dabei werden Kohlenhydrate und Fette vollständig abgebaut, so dass neben Wasser und Kohlendioxid kein "Stoffwechselabfall" in Form von Laktat zurückbleibt. Die Laktatwerte steigen dabei nicht über den Grenzwert von 2 mmol/l an, welcher deshalb auch als aerobe Schwelle bezeichnet wird.
Dieser Stoffwechselweg kommt besonders zum Tragen, wenn man mit relativ niedriger Intensität über einen langen Zeitraum skatet. Der Vorteil liegt darin, dass neben den nur begrenzt vorliegenden Kohlenhydraten der fast unerschöpfliche Vorrat der Fettdepots des Körpers ( ca. 70.000 kcal ) zur Energiegewinnung genutzt werden kann.
Die Übergänge zwischen den beschriebenen Energiebereitstellungswegen sind fließend und kaum von einander zu trennen (Siehe Grafik ).
Oft liegt eine Mischform in der Energiebereitstellung, ein Mischstoffwechsel, vor. Bei mittleren Belastungsintensitäten und Laktatwerten zwischen 2-4 mmol/l wird sowohl auf aerobem als auch auf anaerobem Wege Energie gewonnen. Dabei bleibt der Körper noch in der Lage, das angefallene Laktat so schnell zu verarbeiten wie neues nachgebildet wird. Es stellt sich ein Gleichgewicht ein, so dass die Belastung auch längerfristig aufrecht erhalten werden kann.
Jede Belastung, bei der mehr als 4 mmol/l Laktat produziert werden, beansprucht Ihre Muskulatur so intensiv, dass ständig mehr Laktat gebildet wird als der Körper abbauen kann - der Kohlenhydratstoffwechsel überwiegt. Deshalb nennt man diese Grenze anaerobe Schwelle. Alle Belastungen darüber sind zeitlich begrenzt. Laktatwerte von über 10 mmol/l sind kaum bzw. nur kurzfristig tolerierbar.
Die Energiebereitstellung ändert sich auch während einer gleichmässigen Belastung auf Skates. Zu Beginn wird automatisch ein Teil der Energie zunächst anaerob gewonnen bis der aerobe Stoffwechsel „anspringt“ und je nach Belastungsintensität einen Großteil der Energie bereitstellt (Siehe Grafik 8.1). Sollten einmal die Glykogen- und Fettdepots aufgebraucht sein, so kann auch aus den Eiweissen Energie gewonnen werden. Dieser Vorgang sollte aber möglichst vermieden werden, da Eiweisse fast ausschließlich am Aufbau und der Erhaltung der Zellstruktur beteiligt sind. Deren Abbau hat entsprechend leistungsmindernde Konsequenzen.
Wichtig für alle Fitnesssportler ist zu wissen, dass die beschriebenen Stoffwechselwege durch Training günstig beeinflusst werden können. Nach regelmäßigem Ausdauertraining kann man bei gleicher Belastung geringere Laktatwerte erhalten, das heisst, der Körper kann den geforderten Energiebedarf verstärkt unter Sauerstoffeinsatz decken. Dadurch werden mehr Fette verbrannt und die Kohlenhydratspeicher geschont (Siehe Grafik 8.3). Man hat dann zu jeder Zeit noch "Reserven" für einen Endspurt und kann unliebsame Fettdepots schneller loswerden.
Grafik 8.3 Einfluss von Ausdauertraining auf den Energiestoffwechsel
Außerdem trägt intensives Ausdauertraining dazu bei, dass sich die Kohlenhydratspeicher in den Muskelzellen „vergrößern“ können und man nach deren Wiederauffüllung mehr Energie zur Verfügung hat. Zusätzlich gewöhnt sich der Körper an die Toleranz von Abfallprodukten wie Laktat und lernt, diese effektiver und schneller abzubauen. All das macht schneller, fitter und leistungsfähiger.
Quelle: „Richtig Fitness Skating „ von Olaf Hoos u. Sebastian Baumgartner
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