Inlinenews
08. März 2010Obergösger bereitet sich im Militär auf die Saison 2010 vor

Severin Widmer absolviert die Spitzensport-Rekrutenschule

Severin Widmer beim Training auf...

„In der Spitzensport-RS habe ich es super und dementsprechend gefällt es mir hier in Magglingen auch sehr gut. Ich gebe mein Bestes, damit künftige Speedskater von einem guten Eindruck profitieren können und so der Einstieg in die Sportlerwelt im Militär einfacher wird“. So die Kurzzusammenfassung von Severin Widmer, der die Winter Rekrutenschule der Schweizer Armee als Militärsportler absolvieren darf. Hierzu waren einige Sitzungen erforderlich, damit dieses „Unterfangen im Tenue grün“ überhaupt möglich wurde. Ein Konzept für die Rekrutenschule sowie eine Vierjahresplanung galt es von Seiten des Schweizerischen Rollsportverbandes beim Bundesamt für Sport (BASPO) einzureichen. Unzählige Sitzungen mit Vorstellungsgesprächen haben stattgefunden. Zudem muss ein persönlicher Trainer während der ganzen Rekrutenschule die Trainingseinheiten planen und leiten. „Dieser zeitliche und finanzielle Aufwand hat sich gelohnt“, meint ein sichtlich stolzer Präsident des Departement Speed Inline. Marcel Güntert darf mit seinem Helferstab einen weiteren kleinen Erfolg verbuchen und hofft, dass die Türe für weitere Rekrutenschüler dadurch offen ist.

 

Severin Widmer hat ein paar Eindrücke niedergeschrieben, die wir nachfolgend gerne weitergeben.

 

Seve, was unterscheidet die Sportler-RS von der übrigen Rekrutenschulen?

Der grosse Unterschied liegt darin, dass man in der Spitzensport-RS sportspezifisch für seine ausübende Sportart professionell trainieren kann. In der Spitzensport-RS ist der ganze Tagesablauf auf das jeweilige Training der Athleten und deren Wohlbefinden ausgerichtet, damit das Bestmögliche für die sportliche Zukunft und Ziele im Sport herausgeholt werden kann. Wir geniessen das Übernachten in kleineren „Schlägen“ (sprich Zimmer), das ausgewogenere Essen für Sportler liefert die nötige Energie, die Regenerationszeiten sind für die Erholung ausreichend und natürlich gehören auch Massagen dazu.

 

 

Wie sieht so ein Militärtag aus (Aufstehen wann, gemeinsamer Drill, Ausbildung Militär, Ausbildung Sport etc.)?

Wir absolvierten eine militärische Grundausbildung in Lyss, welche fünf Wochen dauerte. In dieser Zeit galten auch für uns die Regeln, um 06.00 Uhr aufzustehen und zu frühstücken. Anschliessend folgte die normale militärische Grundausbildung bis zum Mittagessen. Am Nachmittag durften wir dann unsere gewünschten Trainingseinheiten absolvieren. Dieser Teil dauerte bis zum Nachtessen oder wenn man in Magglingen trainierte, musste man um 20.00 Uhr zurück in der Kaserne sein. Am Abend galten dann wieder die üblichen Regeln, mit Nachtruhe um 22.00 Uhr. Seit der Zeit in Magglingen (ab Militärwoche 6) sieht alles ein wenig anders aus. Aufstehen und Frühstück bis spätestens 07.15 Uhr. Um 07.45 stand jeweils das Antrittsverlesen für alle auf dem Tagesbefehl. Danach durften wir sportartspezifisch trainieren. Das Mittagessen kann auch jeder für sich zwischen 11.30 und 13.30 einnehmen. Danach ist Regeneration bis 15.00 Uhr angesagt und anschliessend wird wieder sportartspezifisch trainiert. Das Nachtessen kann von 18.00 bis 19.30 eingenommen werden. Bis zur Nachtruhe um 22.00 kann jeder die Zeit vertreiben wie er will. Anzumerken gilt es, dass wir in den Wochen 6 bis 8, täglich von 08.00 bis 10.00 Uhr eine Ausbildung zum Militärsportleiter genossen haben.

Wie oft kommst Du pro Tag zum Trainieren? Kannst Du auch Trainingseinheiten auf den Rollen absolvieren?

Ich trainiere momentan 2 bis 3 Mal täglich. Dies kommt auf die Art und Dauer der Trainingseinheiten an. Auch auf den Rollen kann ich trainieren. Zweimal pro Woche ist für mich die „Sporttotohalle“ in Magglingen reserviert, welche über einen Parkett-Belag verfügt und so für gute Techniktrainings bestens geeignet ist. Zusätzlich kann ich auch noch das grosse Laufband als Skater benutzen, welches sonst bei Langläufern und Bikern Verwendung findet.

 

 

Durch wen wirst Du begleitet (persönlicher Trainer, weitere Sportlehrer, Sportärzte, Ernährungsberater, Sportwissenschaftler, Physiotherapeuten, Konditionstrainer etc.)?

Daniel Berchtold war bisher mein persönlicher Trainer in Magglingen. Da er „nebenbei“ in Gösgen arbeitet, ist er „nur“ drei Tage pro Woche in Magglingen anwesend. Er nimmt einen riesen Aufwand auf sich, wohnt er doch in Dagmarsellen und fährt jeweils von der Arbeit ins Training und dann nach Hause. In dieser Zeit absolvieren wir gemeinsam die Trainings und planen die Tage, an welchen er arbeiten muss, damit die Zeit optimal genutzt werden kann. Ich kann viel von seinen Inputs profitieren und das Erlernte umsetzen. Weil er sich auf eine Reise ins Ausland begibt, wird mit Nicolas Iten weiter betreuen. So können wir uns gemeinsam anspornen, bereits im Training das Letzte aus uns herauszuholen. Nici ist ja in der Inline Szene kein Unbekannter und weltweit als starker Speedskater bekannt. Mit den Trainern anderer Sportarten und den übrigen Sportlehrern habe ich nur indirekt etwas zu tun. Ich sehe sie jeweils in den Trainingshallen, bekomme dadurch neue Trainingsmöglichkeiten vermittelt und nutze zwischendurch kurze Gespräche bei Fragen oder Anregungen. Im Falle einer Verletzung gibt es in Magglingen das Swiss Olympic Medical Center, in welchem die Athleten von Sportärzten und Physiotherapeuten bestens betreut werden.

 

 

Mit wem trainierst Du sonst noch zusammen und warum gerade mit diesen Rekruten / Sportlern (so viel ich gehört habe, mit den Mountenbikern)?

Richtig, es gibt Trainingseinheiten (Kraft und Ausdauer / Langlauf), welche ich mit den Mountainbikern absolviere. Da bei ihnen der Aufbau der Trainings sehr ähnlich wie bei mir ist, haben wir uns für einige gemeinsame Trainingseinheiten entschieden. Dadurch lernt man auch immer wieder neue und verschiedene Details kennen, von welchen alle profitieren können. Dies gibt natürlich auch eine tolle Stimmung unter mehreren und sportartunterschiedlichen Sportlern, was sich sicher für mich und für sie nicht schlecht auswirkt.

 

 

Kannst Du die Sportler-RS für weitere Skater empfehlen (es stossen ja hoffentlich bald weitere junge Skater nach)?

Die Spitzensportler-RS kann ich sehr empfehlen. Die ganzen Möglichkeiten (Sportanlagen, Betreuung, Unterkunft usw.) sind sehr gut und ich denke, für einen Inline-Skater eine einmalige Sache. So kann man während der ganzen RS-Zeit seine Sportart als Profi ausüben, was sich sonst als Skater in der Schweiz wohl kaum realisieren lässt. Ich von meiner Seite her habe viel profitieren können. Ich hoffe, dass sich dies auch mit entsprechend guten Resultaten in der kommenden Saison umsetzen lässt.